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Welcome to Syria

19.Oktober - 31.Oktober 2003 : Syrien : Welcome to Syria, you are welcome.

Diesen Satz hören wir hier an jeder Ecke und von jedermann, wĂŒrden wir fĂŒr jeden dieser SĂ€tze 1 Euro bekommen, wir könnten davon leben.

Die Syrische Grenze:

Als wir am GrenzĂŒbergang zwischen dem tĂŒrkischen Killis und dem syrischen AÂŽzaz bei Einbruch der Dunkelheit einreisen, sind wir sehr erstaunt. Der GrenzĂŒbergang ist wie leergefegt, ĂŒberall sitzen die Leute herum und trinken Tee.

Wir haben viel von sogenannten Schleppern gehört, ohne die ein GrenzĂŒbergang kaum zu schaffen sei, hier war niemand dergleichen. Unser erster Weg fĂŒhrte uns ins Emigration Office. Hier mĂŒssen alle persönlichen Daten nochmals auf einer Karte notiert werden. Das Formular ist auf arabisch und englisch geschrieben und war daher leicht auszufĂŒllen.

Die Grenzer waren sehr lustig und zu Scherzen aufgelegt. Alles sehr locker, Stempel in die PĂ€sse, fertig.

Weiter zum Customoffice, ein Beamter, mit Teetasse in der Hand, erklÀrte: Go to the Bank, change Money, take a Car Insurance and come back.

Auf der Bank im Grenzhof tauschten wir zum Kurs von einem Euro zu 50 Syrische Pfund. Weder die Baracke, noch der BĂ€nker sah nach Bank aus. Aber wir bekamen unser erstes syrisches Geld auf die Hand. Die GebĂŒhren fĂŒr den GrenzĂŒbertritt wollte er aber lieber in Dollar haben. 10 Dollar gegen Quittung.

Der Herr, der lĂ€ssig neben uns in Jogginghose stand, erklĂ€rte, er sei hier der Versicherungschef und wir mĂŒssen hier eine Versicherungspolice abschließen.

Er bat uns in sein “BĂŒro” in dem er auch lebt, ein durchgelegens Bett und der Fernseher zeugten davon. Gegen eine GebĂŒhr von 30 Dollar sind wir nun Haftpflichtversichert. Allah stehe uns bei...

Also wieder zum CustombĂŒro, hier wurde mit Routine unser Carnet de Passages entjungfert. Alles genauso wie beschrieben. Wunderbar.

An der Kontrolle unseres Landy nahmen alle Grenzer teil, die noch nicht eingeschlafen waren. Das Highlight war auch hier wieder unser Waschbecken.

Alle wollten wissen ob wir verheiratet seien und ob wir Kinder haben. Nachdem jeder Grenzer unsere Miss Piggy auf dem Reserverad befummelt hatte, dĂŒrfen wir unter mehrmaligen “ Welcome to Syria” den Zollhof verlassen.

                          

Die erste Nacht in Syrien:

Da es nun schon schwarze Nacht geworden war, beschlossen wir bei der nĂ€chsten Polizeistation zu ĂŒbernachten. Sofort wurde uns vom Chef ein Platz fĂŒr unseren Landy zugewiesen. Um diese Zeit sitzen die drei Polizisten der Wache vor dem Haus, trinken Tee und sehen den vorbeifahrenden AutoÂŽs nach.

Wir wurden zum Tee gebeten und erzĂ€hlten ein wenig von unseren PlĂ€nen bis Afrika zu fahren. Hin und wieder wurden tĂŒrkische AutoÂŽs auf dem Weg zur Grenze angehalten und gegen ein kleine Spende fĂŒr die Teekasse wieder entlassen.

Da der Strassenabschnitt vor der Wache hell erleuchtet war, sah ich erstmals, was fĂŒr ein Schrott hier unterwegs ist !!!

Autos, die nur noch rudimentĂ€r vorhanden sind. Mein Freund Frank aus Essen hĂ€tte hier mit seinem Spruch “ Das ist ĂŒber, kannste weglassen” seine helle Freude. Die Syrer sind die Meister im weglassen.

Nach einer etwas unruhigen Nacht und ultrakurzem FrĂŒhstĂŒck (Kaffee) stĂŒrzten wir uns in den syrischen Strassenverkehr.

Typisch syrischer Lastwagen : Uraltdaimler

Volle Wagenladung : Nie Leerfahren !!!

Die ersten Kilometer waren eher schockierend: hier kannst Du gar nicht genug Augen haben, ĂŒberall Bewegung.

Unser Weg fĂŒhrte uns eigentlich ĂŒber eine “Autobahn” nach Aleppo. In Wirklichkeit aber ist diese Strasse ein 14 Meter breites Asphaltband, das von allen in beide Richtungen mit soviel Spuren genutzt wird, wie gerade gebraucht werden.

Das Wort “Beladung” wird hier ganz neu definiert. Hier wird aufgeladen bis der Auspuff schleift. Hier könnten deutsche Spediteure wirklich noch was lernen. Wenn die LkwÂŽs in Deutschland so gepackt wĂ€ren, brĂ€uchten wir nur noch ein drittel...

Aleppo, die Stadt der hupenden...

Unsere Freude auf Aleppo wurde jĂ€h gebremst, als wir in den Dunstkreis der zweitgrĂ¶ĂŸten Stadt Syriens kamen.

Hier geht der Hardcorepunk ab. Jedes zweite Auto ist ein gelbes Taxi, jedes Auto hupt immer und ĂŒberall, ob mit oder ohne Grund. Hier wird gedrĂ€ngelt und geboxt, Aussenspiegel berĂŒhren sich.

Und als ob das alles neben den arabisch beschrifteten Wegweisern, die uns keine wirkliche Hilfe waren, nicht reicht, laufen hier auch noch todessehnsĂŒchtige FußgĂ€nger kreuz und quer ĂŒber die Strasse.

Höhepunkt war unsere erste vollstĂ€ndig verschleierte Frau, die ganz auf Allah hoffend seelenruhig die Strasse querte. Ich habe mich so erschrocken, daß ich unser Nebelhorn gezogen habe, nichts passierte. Nur ein Schlenker verhinderte den Zusammenstoß. Ich war schockiert.

Wir beschlossen erstmal aus der Stadt heraus zu fahren, um einen Schlafplatz zu finden.

So fuhren wir auf der “Autobahn” Richtung Damaskus. Bei der Suche neben der Autobahn wurden wir angesprochen und wieder zum Tee eingeladen. Unsere Gastgeber Ahmed hat hier seine Gartenlaube. Ein großes Haus umrahmt von Olivenbaumen. Er ist 48,Verkehrspolizist und spricht Englisch.

Er bot uns erstmal ein Glas Wasser an, halbgefroren und in einem kleinen Eimer serviert. Wie war das mit dem Wasser entkeimen ? Nun ja, wir haben es getrunken, denken aber darĂŒber nach, wie wir solche Situationen in Zukunft vermeiden könnten...

Es waren nette zwei Stunden, er gab uns noch GranatÀpfel mit auf den Weg.

Als Schlafplatz diente uns ein unbebautes GrundstĂŒck direkt gegenĂŒber einer RaststĂ€tte neben einem ToyotahĂ€ndler.

Hier steht ein zusammengefaltener Land-Rover. Einfach zusammengebrochen.

Leicht geknickt liegt er da

Da ist nichts mehr zu retten

Beim Durchqueren der Stadt hatte ich an einem großen freien Platz die GPS Koordinaten mitgeschrieben. Bei N 32°31”118`und E 036°16”484`gibt es einen Platz zum Parken. Die Touristeninformation ist nicht weit im nahegelegen Park.

An der Touristeninformation gibt es auch noch mal ParkplĂ€tze, die als besonders sicher gelten. In den nĂ€chsten Tagen starteten unsere “zu Fuß” Erkundungen von hier.

Es hat sich bewĂ€hrt, frĂŒh morgens gegen 8 Uhr in die Stadt zu fahren. Der Hauptverkehr startet erst gegen 9 Uhr.

Ausgestattet mit AleppoÂŽs Stadtplan und unserem StadtfĂŒhrerbuch zogen wir los.

Aufgrund der miesen Ausschilderung gar nicht so einfach. Wir suchten die Zitadelle, die auf einem 50 Meter hohen Berg mitten in der Stadt thront.

In den Strassenschluchten haben wir uns völlig verfranst. Durch den Geruch wurden wir auf eine FalafelbĂ€ckerei aufmerksam. Falafel sind kleine fritierte KĂŒchelchen aus Kichererbsen. So eine Art “Vegetarierfrikadelle”.

Unsere Beobachtung beim Braten wurde mit einer Probeportion belohnt. Danach bestellten wir zwei mal Falafel im “chubs” (arab. fĂŒr Brot).

Nach dem Essen wurde meine Frage nach dem Preis mit “ Welcome to Syria” beantwortet. Wir waren eingeladen !

Da staunten wir nicht schlecht. Durch Susans gute Orientierung fanden wir dann doch noch die Zitadelle. FĂŒr 200 Syrische Pfund (4 Euro) pro Person lösten wir die Tickets. Der Blick ĂŒber die Stadt ist atemberaubend. Die Zitadelle muss wohl wirklich uneinnehmbar gewesen sein.

Blick ĂŒber Aleppo von der Zitadelle

Ein SeitengebÀude der Zitadelle am Berg

NatĂŒrlich waren wir auch im Souk. Jenem legendĂ€ren 12 Kilometer langen Markt der MĂ€rkte. Hier wird alles feilgeboten, leider ist in den Hauptgassen schon einiges sehr auf Touristen abgestimmt. Die kleinen verwinkelten Gassen sind dagegen noch unverdorben.

Am darauf folgenden Freitag ist die Stadt wie ausgestorben. Die Syrier nehmen ihren Freitag sehr ernst. Nicht mal die Taxen schwirren hupend umher.

Wir haben die Gelegenheit genutzt, uns das Hamam (Dampfbad) zeigen zu lassen. Nach Geschlechtern an verschiedenen Tagen getrennt, wird hier fĂŒr ca. 7 Euro das volle Programm mit Baden, Massage und GetrĂ€nken geboten.

Auf der Post im Nord-Westen der Stadt haben wir unsere Briefe auf den Weg gebracht. In diesem Viertel finden sich auch die Internetcafes und die Restaurants.

Nach vier Tagen reicht es uns von der hektischen Großstadt und dem Gehupe.

Wir verabschieden uns von den freundlichen Menschen und dem schrecklichen Stadtverkehr. Der weitere Weg soll uns nach Apameia, zu den Ruinen der helenistischen Stadtanlage fĂŒhren.

Apameia: grĂ¶ĂŸtes Ruinenfeld Syriens

Vorweg gesagt : Die Ausschilderung auf der Autobahn geht ja noch, neben der Autobahn ist alles nur auf arabisch ausgeschildert. Orientierung am ehesten nach Kompass.

FĂŒr alle die nach Apameia wollen, hier die GPS Daten : N 32° 31”118` und E 036°16”484`. Der Eintritt kostet pro Person 150 Syrische Pfund also ca. 3 Euro.

Einblick in eine der SĂ€ulenstrassen

Die Besonderheit der gewendelten SĂ€ulen

Allerdings ist diese StĂ€tte eher etwas fĂŒr geschichtlich vorbelastete, da hier jegliche Hinweise oder Schilder fehlen. Wir haben jedenfalls im Schatten dieser historischen Ruinen einen Ruhetag eingelegt und die Ruhe der Landschaft genossen.

Da heute der 26. Oktober ist, beginnt hier der Ramadan. Jener Fastenmonat, der dem Moslem nicht erlaubt, tagsĂŒber zu essen oder zu trinken. Wir sind gespannt, wie sich dieser Monat auf unsere Reise auswirken wird. Man hat uns schon gewarnt, das Autofahren kurz vor Sonnenuntergang besonders gefĂ€hrlich wĂ€re, da alle zum Essen unterwegs sind und völlig chaotisch fahren.

Krak de Chevalier, die Zitadelle ĂŒberhaupt...

Wir fuhren weiter zum legendĂ€ren Krak de Chevallier (GPS : N 34°45”303ÂŽ und E 036°17”707`) auf der Autobahn Richtung Latakia am Meer.

Die Ausschilderung war brauchbar. Das Krak liegt auf einem Berg, daher fĂ€llt der Anfahrtsweg recht steil aus. Teilweise mußten wir die Untersetzung mitnutzen, sonst hĂ€tten uns die 77 PS nie dorthin bewegt.

Oberhalb der Zitadelle befindet sich ein Restaurant auf dessen Parkplatz wir fĂŒr die Nacht stehen konnten. Bei einem ersten Rundgang, es war inzwischen schon Abend geworden, trafen wir auf Habib. Er sei der Cousin des Restaurantbesitzers und das mit der Übernachtung sei ok. Er habe gerade eine Flasche Arrak (harter Anisschnaps) gekauft und ob wir mittrinken wollten.

Ich schaute ihn verstört an, zwar hatte der Muezin gerade das Ende des Ramadantages verkĂŒndet, aber Alkohol als Moslem ?

Er hat die letzten 15 Jahre in den USA gelebt und schert sich nicht um den Ramadan. Leider mußte er wieder nach Syrien zurĂŒck nachdem er mit einem Drogendelikt in den USA etwas in Ungnade gefallen war. Er lud uns noch zu sich nach Hause ein und wollte uns am folgenden Morgen die Zitadelle zeigen.

Der Rittersaal von aussen, sehr imposant.

Unser Guide Habib am Krak de Chevalier

Die Zitadelle ist eine Riesenanlage, gegen 150 Syrische Pfund, also etwa 2,50 Euro pro Person, betraten wir das Bauwerk.

Dies ist die bislang grĂ¶ĂŸte und prachtvollste Anlage, die wir gesehen haben. Ein richtige Bollwerk, uneinehmbar. Zuerst der Ă€ussere Ring, getrennt von einem Wassergraben, dann die Innenstadt mit Rittersaal, Marktplatz und Kirchenanlage. Das Ganze ist so verschachtelt ineinander, daß es wie ein Irrgarten anmutet. Habib hat uns auf englisch die passenden ErklĂ€rungen geliefert. Trotz des Windes und des kalten Wetters war es einfach klasse.

Wir können nur jedem empfehlen, der Syrien besucht, das Krak de Chevalier anzuschauen.

Durch den Wetterumschwung habe ich mir leider eine krĂ€ftige ErkĂ€ltung mit Fieber zugezogen, ausserdem ging ĂŒberall im Land ein heftiger Wind.

Der Weg Richtung Damaskus fĂŒhrte uns auf dem Highway durch die syrische Steppe, grandiose Landschaften, erbarmungslosen Wind.

An einem verlassenen Haus mitten in der Steppe haben wir dann Rast gemacht, hier war der Windschutz so gut, daß wir fĂŒr die Nacht geblieben sind

Nicht ohne Reiz, die syrische Steppe

Unser Camp in der windigen Steppe

Damaskus: Big City

Nun stand Damaskus auf dem Programm. Im Gegensatz zu Aleppo wird hier wenigstens weniger gehupt, das Chaos ist aber das gleiche. Zwischen der Zitadelle und dem Hedschabahnhof ist ein gebĂŒhrenpflichtiger Parkplatz. Teuer, aber der einzig verfĂŒgbare in dieser Großstadt.

Schnell fragten wir uns zu einem Internetcafe durch (GPS N33°30”996ÂŽ E036°17”268`) um die Campingplatzkoordinaten aus Peters E-Mail  abzuschreiben.

Danach bummelten wir durch die Stadt, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen. Da die Damaszener den Ramadan wohl nicht so ernst nehmen, gesellten wir uns gerne zu ihnen an die Fressbuden und genossen Falafel und HĂŒhnerkebab. Derart gestĂ€rkt machten wir uns auf den Weg zum Campingplatz.

Der Campingplatz befindet sich im Norden der Stadt.(GPS N 33°32”679` , E 036°20”808`). Wir waren die einzigen GĂ€ste und nur fĂŒr uns wurden die Duschen geheizt. Der Preis fĂŒr Auto und zwei Personen fiel mit 500 Syrischen Pfund (also etwa 8,40 Euro) pro Nacht mehr als ĂŒppig aus. Aber zwei NĂ€chte sollte unser Budget schon verkraften, danach wollten wir uns einen Schlafplatz vor den Toren der Stadt suchen.

Nach einer ausgiebigen heißen Dusche (die letzte heiße, lĂ€ngere Dusche war tatsĂ€chlich auf dem Campingplatz in Griechenland) fuhren wir mit dem Sammeltaxi in die Stadt. Der Campingwirt hatte uns fĂŒr die RĂŒckfahrt einen Zettel auf arabisch geschrieben, den wir einfach verschieden Busfahrern vor die Nase halten sollten. SinngemĂ€ĂŸ stand drauf : Bring mir meine GĂ€ste bitte wieder zurĂŒck, darunter die Postanschrift des Campingplatzes. Vorweg gesagt, es hat funktioniert.

Damaskus selbst ist mit seiner Altstadt schon bezaubernd. Die engen Gassen und kleinen LĂ€dchen. Die sagenhafte Omeadenmoschee haben wir nicht besichtigt da gerade Hauptgebetszeit war, als wir in der NĂ€he waren. DafĂŒr habe wir die Gassen der Altstadt erkundet und uns einfach treiben lassen.

Der Souk von Damaskus mit seiner Überdachung

Lichtwurf eines Fensters im Hedschabahnhof

Eher durch Zufall kamen wir zum “RestcafĂ©â€ inmitten der Altstadt. Wunderschön in einem Innenhof gelegen, wird hier in schöner AtmosphĂ€re syrische Kultur gepflegt. Wir bestellten zweimal arabischen Kaffee. Stark und krĂ€ftig, so wie der Syrier ihn gern hat.

Im Hedschabahnhof (ehrgeiziges Projekt von einst, sollte mal Damaskus mit Mekka verbinden, ist aber nie wirklich fertig geworden) kann der Prunk von einst besichtigt werden.

Der ehemalige Kopfbahnhof ist innen wunderschön mit Deckenmalereien und Schnörkeln verziert. Besonders gut haben uns aber die bunten Glasfenster gefallen, durch die die Sonne leuchtete. Leider waren mit unserer bescheidenen Digitalkamera keine vernĂŒftigen Aufnahmen der Fenster zu machen, nur das Bild vom Lichtwurf auf den Boden gibt vielleicht einen Eindruck der Farbenvielfalt.

Von hier aus stĂŒrzten wir uns in das pralle Leben des Marktes, im GetĂŒmmel mit den Einheimischen erstanden wir GranatĂ€pfel, Weintrauben, Brot, und allerlei Leckereien. Hier macht feilschen noch richtig Spaß.

Unser Abzug vom Campingplatz wurde durch ein reichhaltiges FrĂŒhstĂŒck verzögert. Die Suche nach einem annehmbaren Schlafplatz im Umkreis der Stadt wurde jĂ€h zerstört. Nirgends im Umkreis eine Möglichkeit zu campieren.

Unser eigentlicher Plan unsere Internetbekanntschaft Frau Bartels von der Deutschen Botschaft (sie hatte uns wÀhrend des Irak Krieges wegen der Einreise auf dem laufenden gehalten) zu treffen, gaben wir daher auf.

Da wir jetzt eh schon in Reichweite der jordanischen Grenze waren haben wir diesen Nachmittag dann dazu genutzt, ein neues Reiseland zu betreten.

Auf nach Jordanien...

ErgÀnzende Mails von Peter

21.10.03 syrische Ipressionen 1.Teil

Ich sitze hier in Damaskus. Eine abgefahrene Stadt. Hat viele Gesichter. Mein Camping ist 5 km vor der Stadt und ich bin heut frĂŒh hier hergelaufen in einen Schleier aus Smok der wie ein graubrauner Vorhang ĂŒber der Stadt liegt. Es ist angenehm warm und der Dieselruß raubt einem schier den Atem. Langsam wird es heller und der Verkehr nimmt zu. Die Autos benutzen eine 2-spurige Straße 4-spurig und hupen dabei wie wild. Der Muhezin ruft seinen Gesang in die DĂ€mmerung und aus einer anderen Ecke folgt die megaphonverzerrte Antwort.

Plötzlich ohne wirklich zu wissen wie ich dahin kam stehe ich in einem Park. Es ist ruhig, die Vögel zwitschern und mehrere Springbrunnen plĂ€tschern vor sich hin. Die Luft ist angenehm kĂŒhl und wirkt irgendwie sauberer. Ich setze mich auf eine Parkbank und rauche, als ob es nicht schon genug Qualm gĂ€be eine syrische Zigarette - Al Sham. Ich sehe den Leuten bei ihrem MĂŒĂŸiggang zu und bin ein wenig ĂŒberrascht. Mein Bild von den verhĂŒllten arabischen Frauen ist zerstört. Nur die wenigsten sind verhĂŒllt oder tragen Kopftuch (in Damaskus mehr als im Umland interessanter weise). Ich komme mit einem Mann ins GesprĂ€ch der gut englisch spricht und er erzĂ€hlt mir, daß die Araber die deutschen lieben und das Hitler ein toller Mann war. Auf letzteres gehe ich lieber nur mit einem kritischen Kopfwiegen ein und verkneif mir die Aussage, das dieser auch so tolle Mann mit verantwortlich ist fĂŒr die Probleme die die Leute mit dem Staat Israel haben. Nach dem er mich verabschiedet hat und mich zum 5. Mal willkommen hieß folgte ich meinem Magen zur nĂ€chsten Backerei. Dort gab es dann einen Croissant mit nicht definierbarer FĂŒllung. War aber nicht unlecker. Ich folge meinem Weg Richtung Internet-Cafe vorbei an dutzenden von VW-Bussen und alten Landrovern so hĂ€ufig wie in Deutschland Golf oder Corsa.

Dort angekommen erklĂ€rt mir der Besitzer in bestem Englisch, daß des Kontrollsystem des Staates den Benutzern beim Einlocken bei westliche Anbieter wieder ein wenig Probleme macht und das ich doch in 2 Stunden noch einmal kommen solle. Dies bringt mich auf die Idee nach der deutschen und der jordanischen Botschaft zu suchen, da ich diese zwecks des Visas brauche. Also kĂ€mpfe ich mich durch die nicht enden wollende Lawine von Autos und Menschen erst mal zum nĂ€chsten park. Damaskus ist voll davon, was das Leben ertrĂ€glicher macht. Die Luft ist angefĂŒllt mit unterschiedlichsten GerĂŒchen, die ich noch nie in meinem Leben wahrnahm. Bei manchen drehte es mir im Nachhinein den Magen um weil ich sah wo sie herkamen - bei anderen kriegte ich Appetit. Vorbei am PrĂ€sidentenpalast mit dem aufgefalteten Stadtplan werde ich von einem Mann in Jackett aufgefordert diesen sofort zu schließen. Auf mein verdutztes verhalten hin wird mir erklĂ€rt, das der spanische König sich fĂŒr heute angekĂŒndigt hat. Der hat anscheinend auch keine Angst vor etwaigen Luftangriffen hat - wie ungefĂ€hr alle Syrer die nur lachend abwinken auf die Frage ob es den zur Zeit heikel wĂ€hre und meinen das es zur Zeit sehr ruhig in Syrien sei.

Nun wie ihr seht haben die im InternetcafĂ© es hingekriegt und ich werde mich gleich nach einer Art HĂŒhner-Kebab umsehen der sehr gut schmeckt aber anders heißt. Die Syrer mögen die tĂŒrken nĂ€mlich nicht sonderlich. Ich hoffe, daß Ralf und Susan sich bald hier einfinden damit ich nicht am Pseudokrupp eingehe.

25.10.03 syrische Ipressionen 2.Teil

Ich weiß grad gar nicht wie ich anfangen soll. Es sind sehr viele Bilder, GesprĂ€che und EindrĂŒcke jeglicher art in meinem Kopf die ich gerade nicht verknĂŒpft kriege. Die wichtigsten Sachen hab ich euch ja schon geschrieben, die GerĂŒche die Farben, die Menschen - halt da kann ich einhaken. Ich habe inzwischen einige GesprĂ€che mit meiner Umwelt gefĂŒhrt und dabei auch ernstere Themen angeschnitten. Wobei die Standpunkte derer mir gegenĂŒber zum Teil sehr offen dargelegt werden. Eine frage die mir oft gestellt wir, ob ICH die Menschen als so böse empfinde wie unsere Medien sie darstellen. Eine frage die sehr beschĂ€menden Charakter hat.

Doch die meisten Menschen hier sind eher liberal eingestellt, auch bei dem Thema Religion. Sie sind durchaus der Meinung, daß der Nahost-Konflikt KEINE religiöse Sache sondern eine ökonomische oder vieleicht noch rassistische Sache ist. In Damaskus gibt es sehr viele Kirchen die gepflegt sind, rege besucht sind und an den unterschiedlichen Baustielen erkennt man das das

Christentum hier eine lange Tradition hat die ĂŒber die Jahrhunderte gepflegt wurde. Sicher gab es auch hier religionsgestĂŒtzte oder zumindest teilpolarisierte Auseinandersetzungen, wie im libanesischen Besatzung durch Israel, wo die christliche Minderheit aus machtpolitischen
GrĂŒnden sich auf die seit Israels schlug und in deren Namen GrĂ€ueltaten unter den palĂ€stinensischen FlĂŒchtlingen verĂŒbte, die ĂŒbrigens auch zum Teil christlichen Glaubens sind. Aber im Großen und Ganzen ist die Koexistenz der Ethnien und Konventionen hier besser als man landlĂ€ufige meint. Es gibt in Damaskus auch eine jĂŒdische Gemeinde, die nicht um ihr leben bangen muss (auch wenn sie vieleicht ihren Glauben nicht an die große Glocke hĂ€ngen sollten).

Ich schatze den christlichen Anteil in Damaskus auf 20-30 % und er macht auch durch Bilddarstellungen auf Autos und einen anderen Lebensstile auf sich aufmerksam. Aber das Bild in den Straßen und den Souks ist in erster Linie durch den Islam geprĂ€gt. ich wollte den Botschaftsgang und diese Mail schon gestern erledigen, vergaß bloß wieder, daß der Sonntag der Muslimen der Freitag ist. Die sonst so kochende und aus allen NĂ€hten platzende Metropole wirkte mit einem mal wie ausgestorben. Fast alle LĂ€den wahren geschlossen und die Straßen praktisch leer. Nur die Ă€rmsten der Armen die sich einen Freitag nicht leisten können gingen noch ihren AlltagsgeschĂ€ften nach. Ebenso wie die Touristen und Polizisten die plötzlich aus dem Bild förmlich sprangen. Apropos Polizei, ein in fĂŒr uns ungewohnt großes Aufgebot ist im Alltagsleben hier zu beobachten. Jedes Amt und sogar die Schulen werden von Maschinengewehr bewaffneten MĂ€nnern in uniform und zivil bewacht. Ein Maschinengewehr beeindruckt mich inzwischen nicht mehr so, solange es nicht auf mich gerichtet ist. An der Wand einer Schule wo sich die Kinder selbst dargestellt haben, haben sie neben dem Lehrer auch den Wachmann gestellt, der wie sie lacht und jubelnd die Arme (mit Maschinengewehr) in die Höhe streckt. Aber darĂŒber hinaus gibt es vieles was viel trivialer ist zu bemerken in dieser ach so bunten Stadt. Speziell die Souks, die hier ĂŒberdacht sind und in denen du alles kriegst, vom Lebensmittel ĂŒber Strass-Schmuck, der berĂŒhmte Goldmarkt, und KleidergeschĂ€fte. Ein Gebetsteppich mit eingebautem Kompass, oder ein Laden nur mit Pale-TĂŒchern, es macht riesig Spaß sich bewusst darin zu verlaufen und sich mit den Menschen treiben zu lassen. Da ich Selbstversorger bin, besorge ich hier meine EinkĂ€ufe und nehme Kontakt zu meinen eingeborenen Mitmenschen auf. Es ist meist eine sehr unterhaltsame Angelegenheit und die Ehrlichkeit dieser Menschen macht es einem einfach einen Geldschein hinzustrecken mit der Gewissheit, daß das Wechselgeld stimmt. Sie kamen mir sogar schon hinterhergerannt und entschuldigten sich vielmals, daß sie sich verrechnet hatten wĂ€hrend sie mich zum 10 X willkommen hießen. Langsam ist mein Kopf leer auch wenn dies nur ein Bruchteil dessen ist was es zu berichten gĂ€be. Außerdem mĂŒsste jetzt mein Visa fĂŒr Jordanien fertig sein und ich hĂ€tte gern wieder meinen Pass in der Hand.

Das nÀchste mal wahrscheinlich aus Amman.

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