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Ramadan in Jordan

01.November bis 21.November :Jordanien, oder : Wo mein Zahnarzt wohnt.

Die Grenze: Problemloser geht nicht mehr

Nach der unproblematischen Ausreise aus Syrien standen wir jetzt an der Grenze von Jordanien. Geschm├╝ckt mit den Portraits des alten, inzwischen verstorbenen K├Ânigs und des neuen amtierenden K├Ânigs.

Das Visum konnten wir ohne Schwierigkeiten an der Grenze gegen 10 jordanische Dinar pro Person kaufen, dazu addierten sich noch 12 JD f├╝r Custom und Carnetabstempeln und eine Haftpflichtversichrung f├╝r 30 Tage zu 28 JD.

Bei einem Kurs von 50 Euro zu 40 JD waren hier insgesammt mal eben 60 JD also ca. 75 Euro verpulvert. Das f├Ąngt ja gut an.

Allerdings hat es uns sehr erfreut, da├č der Mann vom Zoll auf eine Inspektion komplett verzichtet hat. Das wir aus Deutschland kommen, verschaffte uns hier einen gro├čen Vertrauensvorschuss.

Unser erster Eindruck war, da├č die Auto┬┤s hier auf jeden Fall h├Âherwertiger sind und das es scheinbar Vorschriften f├╝r die maximale LKW Beladung geben mu├č. Auch wird hier nicht mehr so viel gehupt wie noch in Syrien.

Amman: Die Stadt unter der Abgasglocke...

Unser erster Weg in Jordanien führte uns gleich in die Haupstadt. Wir brauchten ein paar Informationen (unter anderem die Adresse von einem deutschsprachigem Zahnarzt) von der Deutschen Botschaft und wollten unser Ägyptenvisa gleich beantragen.

Also haben wir uns einen Stadtplan von Amman besorgt, ohne den geht es beim besten Willen nicht. Da Amman auf vielen H├╝geln gebaut ist, verliert man sehr schnell die Orientierung beim H├╝gel auf und abfahren.

Die deutsche Botschaft hatte dann auch eine Adresse eines Zahnarztes f├╝r mich. Mir war schon in Aleppo ein St├╝ck aus dem Zahn ausgebrochen und ich habe mich seither eigentlich haupts├Ąchlich von Dolormin ern├Ąhrt.

Unsere Frage nach Campingpl├Ątzen wurde eher mit nein beantwortet, insgesamt m├╝ssen wir sagen, da├č der Consul sehr freundlich und locker war.

Der n├Ąchste Halt war die ├Ągyptische Botschaft (GPS N 31┬░51ÔÇŁ423`, E 035┬░53ÔÇŁ789┬┤) wegen unserer Visa. Hier waren wir schnell baff, einfach Antr├Ąge ausf├╝llen, P├Ąsse dalassen, 12 JD pro Person bezahlen und 4 Stunden sp├Ąter gestempelt wieder abholen. So einfach kann das gehen !

Einen brauchbaren Schlafplatz zu finden war, wie immer in der N├Ąhe von Gro├čst├Ądten, nicht einfach. Wir wurden 30 Kilometer vom Zentrum an der Autobahn hinter der an Amman angrenzenden Stadt A┬┤zaz f├╝ndig.

Auf einem H├╝gel ein St├╝ck landeinw├Ąrts lie├č es sich aushalten. Getr├╝bt wurde die Freude nur durch ein wenig M├╝llablagerung und ein paar streunenden Hunden. Leider wurde so jede Fahrt in die Stadt (und aufgrund t├Ąglicher Zahnarztsitzungen waren es einige) mit einer Gesamtfahrstrecke von 60 Kilometern belohnt. Aber bei einem Spritpreis von 400 Fils / Liter, also ca. 0,50 Euro ist das nicht ganz so tragisch.

Amman selbst hat bis auf das r├Âmische Theater und einer besonders sch├Ânen Moschee nicht viel zu bieten. Wir schlenderten durch die Strassen und beobachteten das bunte Treiben der H├Ąndler.

Ich h├Ątte nie gedacht, da├č ich mal einen Zahnarzt in Jordanien haben w├╝rde. Dr. Abu Salem praktiziert nach europ├Ąischem Standard und das nicht mal teuer. Tolle Sache !!!

Der Versuch, ein sudanesisches Visum zu bekommen, wurde erneut mit 12 Tagen Wartezeit belohnt. Das Formular wird nach Karthum geschickt und dort bearbeitet.

So vertrieben wir uns die Zeit mit Ausfl├╝gen in den Umkreis von Amman.

Das tote Meer, oder: alle Wege f├╝hren nach Rom...

Unser erstes Ziel sollte das Tote Meer sein, um die Sache mit dem Salzwasser mal selbst zu pr├╝fen. Unser Reisef├╝hrer tat kund, es w├Ąre nur 40 Kilometer entfernt und leicht zu finden.

Leider sind wir st├Ąndig der jordanischen Beschilderung aufgesessen. Da kommt ein Hinweisschild, leider an der n├Ąchsten Gabelung steht dann keines mehr...

Trotz Navigation mit dem Kompass war es ein st├Ąndiges Umhergefahre. So lernten wir wenigstens das Hinterland und einige Bauernh├Âfe kennen.

Jordanien ist ohne Kartenmaterial (welches man am besten in Deutschland kauft, im Land gibt es einfach keine Karten zu kaufen. Fragt sich nur wie die Jordanier sich in ihrem Land orientieren?) einfach nicht zu befahren, es sei denn man verl├Ą├čt die Hauptstrassen nicht.

Gl├╝cklicherweise haben wir dann doch noch einen Weg gefunden, er f├╝hrte uns ├╝ber eine autobahn├Ąhnliche Strasse durch zwei Milit├Ąrkontrollen in das Grenzgebiet am Meer.

Der gr├Â├čte Teil der K├╝ste ist Steilk├╝ste und da das Grenzgebiet zu Israel nicht weit ist, auch scharf bewacht. Lediglich an zwei Hotelbauten und am Ammanbeach ist ein Betreten des Wassers m├Âglich.

Da der Ammanbeach k├╝nstlich angelegt ist und mit Palmen bepflanzt ist, werden hier t├Ąglich zig Liter S├╝├čwasser mit Lkw┬┤s hergekarrt. Gegen 4 JD Eintritt pro Person steht einem der Strand offen.

Immerhin, die Anlage ist zwar nicht sauber, aber es gibt Duschen und die hat man nach einem Bad im toten Meer auch n├Âtig.

Das Wasser hat tats├Ąchlich einen so hohen Salzgehalt das untergehen ausgeschlossen ist. Leider hat auch der kleinste Spritzer Salzwasser  in den Augen verheerende Folgen (eigene Erfahrung), auch ist davon abzuraten Wasser zu schlucken.

Unser Reisef├╝hrer wies auch noch Thermalquellen in der N├Ąhe aus, die zum Baden einladen w├╝rden. Dort angekommen, verschlug es uns die Sprache, waren schon in der N├Ąhe des Strandes Millionen von Fliegen unterwegs, dies war die Mutter aller Fliegenpl├Ątze !!!

Die Steine waren ├╝bers├Ąht von den sechsbeinigen, befl├╝gelten Plagegeistern, ├╝berall lag M├╝ll herum, auch im Wasser.

Das Wasser selbst ist zwar sicherlich 28┬░ warm, aber von einladend kann da keine Rede sein. Ich frage mich nur manchmal, ob die Autoren von Reisef├╝hrern je mal wirklich vor Ort gewesen sind.

Da das ├ťbernachten im grenznahen Gebiet nicht erlaubt ist (ausserdem ist da kaum mehr Platz zwischen all den Fliegen) fuhren wir nicht wirklich erholt zu unserem Schlafplatz vor Amman zur├╝ck.

Die W├╝stenschl├Âsser: steinige Tr├Ąume

Die n├Ąchste Rundfahrt f├╝hrte uns von Amman zur W├╝stenoase Azraq. Auf dem Weg liegen vier sogenannte W├╝stenschl├Âsser. Auf dem Deserthighway Richtung Irak begegneten wir erstmal der W├╝ste.

Ist schon komisch, nur noch Steinw├╝ste und eben das schmale Asphaltband das von den schweren Lastwagen bev├Âlkert wird das Ladungen in den Irak schafft.

Auch die Tatsache, nur noch 220 Kilometer von diesem Krisenherd weg zu sein, war komisch. Entsch├Ądigt wurden wir dadurch, das alle Sehensw├╝rdigkeiten ohne Eintritt zug├Ąnglich sind.

So besuchten wir das Hammam as Sarkah (GPS N 32┬░05ÔÇŁ043`E 36┬░21ÔÇŁ770`), ein Badeanstalt, die fr├╝her zu einem gro├čen Komplex geh├Ârt haben soll und das Schloss Quasr al Hallabat welches als Ruine nicht zu besichtigen ist.

Das Hammam as Sarakh in der W├╝ste

Der Innenhof der Festung in Azraq, hier hat sich Lawrence von Arabien auf den Sturm von Damaskus vorbereitet.

Rast machten wir dann in der Oase Azraq, das erste Mal, da├č wir in einer Oase waren. Unsere Traumoase sieht irgendwie anders aus..

Hier besichtigten wir die Festung Azraq. Diese ist komplett aus Vulkangestein ohne Holz gebaut worden. An diesem Ort bereitete sich einst Lawrence von Arabien auf seinen Sturm auf Damaskus vor. Noch heute kann der Raum, in dem er seine Pl├Ąne schmiedete, besichtigt werden.

Besonders seien noch die Eingangst├╝ren erw├Ąhnt, die aus Granit gefertigt sind und in Zapfen gelagert beweglich sind.

Das Shaumari Wildlife Reservat:

Ebenfalls besucht haben wir das Shaumari Reservat. Hier werden die beinahe ausgestorbenen arabischen Oryxanthilopen gez├╝chtet und kultiviert.

Das Reservat (GPS N 31┬░45ÔÇŁ124┬┤E36┬░45ÔÇŁ310┬┤) liegt ein gutes St├╝ck von Azraq in der W├╝ste. Wir konnten vor dem Eingang campen und bekamen Tee und warme Dusche angeboten.

Der Besuch am folgenden Morgen war allerdings eher ern├╝chternt. Die Oryx sind nur von einem Turm aus mit dem Fernglas zu beobachten. Dies geschehe, damit sich die Oryx nicht so stark an die Menschen gew├Âhnen und irgendwann wieder ausgewildert werden k├Ânnen. Nebenher sahen wir noch Strausse und Esel samt Nachwuchs.

Wir finden die Einstellung richtig und mit unserem Feldstecher hatten wir auch unseren Spass. Leider ist die Digitalkamera da nicht so ergiebig, aber immerhin war dies unser Kontakt mit den ersten ÔÇťWildtierenÔÇŁ.

Der Eingangstower von Shaumari

Eines der Oryx Gehege, mit Teleobjektiv w├Ąre es besser geworden.

Der weitere Weg f├╝hrte durch die W├╝ste wieder Richtung Amman, wobei wir uns den Spass gemacht haben mal ein richtiges St├╝ck von der Strasse in die W├╝ste hineinzufahren. So bekamen wir einen sch├Ânen Vorgeschmack auf Afrika...

Das W├╝stenschl├Âsschen Amra mit seinen guterhaltenen Fresken und das legend├Ąre Qasr al Kharah, einen Kastenartigen Bau der an den Aussenseiten nur schmale Fensterschlitze aufweisst, besuchten wir im Anschlu├č.

Unser erster Ausflug in die W├╝ste

Das legend├Ąre W├╝stenschlo├č Qasr al Kharana

Weitere Erkundungen (was macht man nicht alles, wenn man auf sein Sudanvisum wartet) f├╝hrten uns zum Mount Nebo, wo Moses gestorben ist.

Bei der Suche der hei├čen Quellen haben wir uns heftig verfahren. Auf dem R├╝ckweg nach Amman entdeckten wir dann eine W├╝rth Filiale. Wir fuhren hin, um unsere Bremsenreinigervorr├Ąte aufzustocken (das Zeug braucht man als Roverfahrer eh st├Ąndig).

Der Betriebsleiter Marco ist auch aus dem Schwabenland, ebenso wie Eva von der Buchhaltung. Ein riesen Hallo und aus dem kurzen Einkauf wurde fast ein ganzer Nachmittag.

Der Superdeal war, da├č wir gegen zwei W├╝rth Aufkleber an unserem Auto spontan alle Produkte zum halben Preis bekamen.

Da Marco am darauffolgenden Tag leider nach Deutschland mu├čte, st├╝rzte sich Eva mit uns ins Ammaner Nachtleben. Hier ist wirklich mehr m├Âglich als wir dachten....

In der Zwischenzeit haben wir auch einen brauchbaren Schlafplatz gefunden. Im Nationalpark von Amman (ein gro├čer Park mit zig Picknikpl├Ątzen GPS N 31┬░51ÔÇŁ423┬┤ und E 035┬░53ÔÇŁ789┬┤) lie├č es sich umringt von B├Ąumen sehr gut,  ruhig und kostenlos n├Ąchtigen.

Die Nachricht der sudanesischen Botschaft gab uns einen Schlag: Wir sollten noch weitere 12 Tage warten, da noch keine Antwort aus Karthum gekommen ist.

Das war der ausschlaggebende Punkt f├╝r uns, das Visum in Cairo zu besorgen. Eine gl├╝ckliche F├╝gung, wie sich sp├Ąter noch herausstellen sollte...

Also weiter nach Petra, um dort wieder auf Peter zu sto├čen.

Die Wiedervereinigung : Peter┬┤s R├╝ckkehr

Als wir schon kurz vor Petra waren, kam uns ein bekanntes Fahrzeug entgegen : Julianne und Christian aus K├Âln mit ihrem Volkswagen LT 4x4 Wohnmobil. Wir hatten sie schon vorher mal kurz an der t├╝rkisch/syrischen Grenze getroffen.

Christian meinte, er wisse jetzt alles ├╝ber uns. Peter hat ihnen unsere Geschichte auf dem Parklatz bei Petra erz├Ąhlt. Wir verabredeten uns f├╝r sp├Ąter, da wir jetzt erstmal auf Peter gespannt waren.

Als wir auf den Parkplatz einbogen, bot sich das gewohnte Bild: Peter l├Ąssig an seinem Bus hockend, der stumpfe blaue Lack in der Sonne scheinend.

Wir hatten ja seit seiner R├╝ckfahrt nach Deutschland nichts mehr von ihm geh├Ârt, nur die kurze Nachricht, er sei in Aleppo.

Er wollte uns urspr├╝nglich an der syrischen Grenze auflauern und ├╝berraschen, leider sind wir eine Woche l├Ąnger in der T├╝rkei geblieben...

So war er uns immer einige hundert Kilometer im voraus und in der Zwischenzeit in Aquaba angekommen. Per Internet verabredeten wir uns dann in Petra.

Nat├╝rlich hatte jeder von uns eine Menge zu erz├Ąhlen, so er├Âffneten wir auf dem Busparkplatz ein z├╝nftiges Camp.

Am selben Abend trafen wir hier auch noch zwei weitere Globetrotter aus Holland, die mit Motorr├Ądern unterwegs sind. Marianne van Loenhout und Corn├ę Pol aus Amsterdam sind ├╝ber Spanien , Marokko bis nach Ghana gefahren und haben mit dem Schiff ├╝bergesetzt nach S├╝dafrika, um von dort aus gen Norden zu fahren.

Wer mehr wissen will, kann ja mal reinschauen: www.motorbikes2africa.nl                      

Marianne und Corn├ę aus Amsterdam / Holland

Ausserdem trafen wir noch Axel mit seiner Freundin. Er ist f├╝r das Internationale Rote Kreuz als Logistikkoordinator in Israel t├Ątig. Das war nat├╝rlich sehr interessant mit ihm ├╝ber Hilfsorganisationen zu sprechen.

Da der Parkplatz die ganze Nacht von der Polizei bewacht wird, haben wir sehr sicher geschlafen.

Petra : Zeugnis einer Hochkultur

Die erste ├ťberraschung: der Preis wurde um 50% gesenkt. Von 20 JD auf 10 JD pro Nase. Und f├╝r 13 JD gibt es eine Zweitageskarte. Klar, das wir zwei Tage bleiben.

Um in das Tal zu gelangen m├╝ssen wir lange bergab laufen. Die Morgensonne schickte schon ihre hei├čen Strahlen aus, als wir eher zuf├Ąllig auf unseren Proviant zu sprechen kamen. Peter wollte an diesem Tag f├╝r uns sorgen, leider hatte er wohl alles im Auto liegen lassen...

Nach einem weiteren langen Fu├čmarsch durch eine sehr imposante Schlucht gelangten wir an das Wahrzeichen von Petra, das Schatzhaus. Es diente auch schon mal als Filmkulisse in einem Indiana Jones Movie.

Bekannt aus dem Film Indiana Jones, das ÔÇťSchatzhausÔÇŁ

Herr G├ ist fasziniert

Wir waren wirklich hin und weg, zum Teil sieht das ganze so irreal aus, da├č man wirklich glauben k├Ânnte, es w├Ąre nur eine Filmkulisse. Da wir ja nun ohne Essen hier waren, beschlossen wir in das Restaurant im Tal einzukehren. Hier gab es ein warm / kaltes B├╝ffet. Irgenwie hatte ich den Satz ÔÇťkoch es ,sch├Ąl es oder vergi├č esÔÇŁ noch im Kopf...

Nun ja, das Essen war toll, der Salat auch, aber nicht frei von Nebenwirkungen, wie sich in der Nacht herausstellen sollte...

Das Gel├Ąnde ist so gro├č, das wir nach zwei vollen Tagen immer noch nicht alles gesehen haben.

Die Felsenstadt Petra

Wir zwei auf dem Balkon

Es ist schon etwas nervig, auf Schritt und Tritt von Kindern belagert zu werden oder dauernd gefragt zu werden ob man Esel oder Kamel reiten will.

Abends hatten wir schon recht platte F├╝sse, aber es hat sich gelohnt, wir haben wirklich viel gesehen !

Es gibt ├╝brigens in Petrastadt ein recht gut funktionierendes Internetcafe.

Auf nach Aquaba : Mouhammedsea, Peter┬┤s zweites Zuhause

Jetzt ging es endlich mal wieder im gewohnten Zweierkonvoi nach Aquaba.

Wir folgten dem Deserthighway bis nach Aquaba. In der Innenstadt f├╝hrte uns Peter erstmal zu seinem Lieblingssupermarkt, dem Humam Supermarket.

Hier gibt es alles f├╝r den Europ├Ąer lebensnotwendige. Sogar harten Alkohol und tiefgefroreren Speck (beides allerdings auch zu sehr europ├Ąischen Preisen...). Da der Laden von Christen gef├╝hrt wird, geraten diese auch nicht mit dem Koran in Konflikt.

Danach ging es ab zum Campground Mohammedsea. Als Peter meinte, es g├Ąbe dort keine warmen Duschen, hielten wir es zuerst f├╝r einen Scherz. Ohne warme Duschen wollten wir auch nicht auf den Camp, denn ohne Dusche campen kann man ├╝berall auf dem Strand.

So zogen wir anfangs einen Platz am Strand vor. Da der Wind hier heftig blies, verschanzten wir uns hinter dem Strandtoilettenhaus. Aufgrund der Verdauung des Essens von Petra eine gute Entscheidung.

Nach 3 Tagen sind wir aber dann doch auf den Camp, nachdem der Campwirt den Preis ein wenig angepa├čt hat.

Peters Lieblingscamp ÔÇťMohammed - seaÔÇŁ

Angebot an Kleidern in Aquaba

Das Camp ist wirklich sch├Ân gemacht und in k├╝rze soll es auch warmes Wasser geben. Peters neuer Freund Achmed kocht genial, egal ob Fisch oder Fleisch.

Hier haben wir unserem Auto einen gro├čen Service gegeben.

Jetzt sollten wir soweit sein, das Schiff nach Nuweiba / Sinai zu nehmen.

Die Tickets kauften wir in einem unscheinbaren B├╝ro der Reederei neben dem Humam Supermarkt.

Auf der R├╝ckfahrt zum Camp haben wir noch mal schnell nachgesehen, wann die F├Ąhre denn nun wirklich f├Ąhrt und ob unsere neuen Fahrkarten auch wirklich g├╝ltig sind...

Die F├Ąhr├╝berfahrt oder : In nur 14 Stunden von Jordanien nach ├ägypten

Beim Eintreffen im Hafen traf uns erstmal der Schlag. Hier geht es zu wie in einem Fl├╝chtlingslager. Zig Leute sitzen, stehen oder liegen zwischen tausenden von Taschen und Koffern. Dazwischen stehen LKW┬┤s und total ├╝berladene Auto┬┤s. You┬┤re welcome !!!

In der Abfertigungshalle dagegen g├Ąhnende Leere, kein Mensch da. Wir wollten aber unser Carnet und die P├Ąsse gestempelt haben.

Die F├Ąhre sollte um 19 h ablegen und uns war klar, das es gut war, 3 Stunden fr├╝her hier zu erscheinen.

Wegen des Ramadans wurde auf dem Platz beim Sonnenuntergang erstmal ├╝berall gegessen. Danach sah es eher wie eine M├╝lldeponie aus, aber jetzt ├Âffneten sich die Abfertigungsschalter.

Nach mehreren Formularen und Stempeln des Foreigneroffice fehlte uns noch der Stempel im Carnet.

Den h├Ątte es eine Etage tiefer geben sollen, doch leider hatte der Officer den Schl├╝ssel zu diesem B├╝ro mit nach Hause genommen. Kurzentschlossen brachen die Beamten die T├╝re auf und stempelten unser Carnet. Das ist doch mal Einsatz, oder?

Danach stellten wir unsere Auto┬┤s in die Schlange zu den leidlich ├╝berladenen Fahrzeugen. Neben uns standen leere Sattelz├╝ge. Hier warf jeder Reisende seine Gep├Ąckst├╝cke hinein. Kunterbunt , ohne Marken oder Nummern, kreuz und quer.

Das Einfahrtstor hat rechts und links kleinere T├╝ren f├╝r die Fu├čg├Ąnger. Hier wurden immer nur soviele eingelassen, wie in den Bus passen, der die Passagiere zum Schiff bringt. Die nachdr├Ąngenden Leute wurden mit Lederriemen geschlagen, bis sie zur├╝ckwichen und die T├╝ren wieder zu schlie├čen gingen. Da ist der Kunde doch noch K├Ânig !!!

Beim erklimmen der Treppen im Schiff wurden wir schnell stutzig. ├ťberall lagen oder sa├čen Menschen auf dem Boden. Dazwischen Kisten oder Kartons. Auf dem ersten Deck angekommen, wurde es noch schlimmer. ├ťberall, aber wirklich auch ├╝berall lagen Frauen, M├Ąnner und Kinder. Teils schon schlafend, teils betend. Es sah aus wie auf einem Seuchenschiff.

Wir fl├╝chteten erstmal in das Restaurant, dem einzigen Ort, an dem es halbwegs kultiviert zuging. Unterdeck sind alle St├╝hle und Sitze entfernt worden, um mehr Passagiere transportieren zu k├Ânnen.

Fr├╝her mu├č das mal ein recht sch├Ânes Schiff gewesen sein, zumindestens zeugte der Teppichboden noch davon.

Da hier viele die Angewohnheit haben, den Speichel hochzuziehen und auszuspucken, sieht der Teppich dementsprechend aus, auf dem Au├čendeck mit dem Stahlboden war es schon etwas rutschig...

Da wir sicher waren, da├č die ├ťberfahrt nur drei Stunden dauern wird, f├╝hlten wir uns im Restaurant gut aufgehoben. Allerdings, wenn die Einheimischen sich gleich zum schlafen hinlegen, wissen die eventuell mehr als wir...

Es dauerte bis weit nach Mitternacht bis die F├Ąhre ├╝berhaupt mal den Hafen verlassen hatte. Da hatten wir schon R├╝ckenschmerzen...

Zwischendurch wurden die P├Ąsse und die Fahrzeugpapiere gestempelt und jeder einzeln per Lautsprecher ausgerufen, allerdings nur dann, wenn nicht gerade eine Gebet ├╝ber dieselben ausgerufen wurde...

Gl├╝cklicherweise sa├čen wir gleich unter einem und haben wirklich keine Durchsage verpa├čt.

Nach ziemlich genau 14 Stunden kamen wir nicht mehr ganz taufrisch in Nuweiba/Sinai/Ägypten an. Unser GPS wies eine Fahrstrecke von 83 Kilometern aus.

Unser Plan jetzt erstmal im Hafen einen Schlafplatz zu suchen und den Custom und die Formalit├Ąten nach ein paar Stunden Schlaf zu erledigen, wurde von einem ├Ągyptischen Touristpoliceofficer zunichte gemacht.

Aber zumindestens haben wir unsere F├╝sse jetzt schon mal auf ├Ągyptischem Boden...

Erg├Ąnzende Mails von Peter

27.10.03 Amman

Hier viele Gr├╝├če aus Amman (Jordanien). Ich wei├č nicht, die Syrer werden es mir verzeihen, aber ich mag Jordanien. Die Vegetation ist ├╝ppiger (kein Wunder Syrien wirkte ziemlich kahl) und es wirkt sauberer. Als ich heute fr├╝h in Amman ankam und mich vor dem Amphitheater hinsetzte, dorthin sah wo Micha und ich uns schier die Haxen bei den steilen Stufen des Theaters vor 2 Jahren brachen - viele Erinnerungen kamen hoch. Hier waren der Start und das Ende unser damaligen Odiose. Und pl├Âtzlich wirkte das Leben gar nicht mehr so hecktisch wie wir es damals erlebten. Ich z├╝ndete mir eine Zigarette an und  merkte wie ein einheimischer mich ein wenig missbilligend ansah. Ich dachte mir nichts dabei und ging weiter. Vom Hunger getrieben wandelte ich durch die Stra├čen auf der Suche nach etwas Essbaren, aber die ganzen Schnellimbisse waren geschlossen. Auch viele andere L├Ąden waren geschlossen, und da wo Micha und ich verzweifelt einen Parkplatz suchten, war alles frei. Auch die Menschen waren irgendwie komisch. "nein Peter, das ist nur Paranoia. Oder ist da wieder ein Konflikt im Gange und du weist wiedermal nichts davon. Naja es ist ja noch fr├╝h am Morgen" dachte ich und ging in eine B├Ąckerei, die ich schlie├člich fand. Ich kaufte mir 5 Muffins und biss total unterzuckert herzhaft beim Verlassen der B├Ąckerei in einen hinein. Aber irgendwas war hier komisch. Ich a├č gehend weiter und wurde schon etwas unsicherer, als mich pl├Âtzlich ein st├Ąmmiger Wanderarbeiter freundlich aber bestimmt ansprach. Ich verstand kein Wort und signalisierte ihm dies mit einiger Verwunderung was dieser Mann von mir wolle. "Ramadan, Ramadan" meinte er mit einem stets freundlichen Gesichtsausdruck zu mir.

In diesem Augenblick fiel es mir wie Schuppen von den Haaren. 75% der Leute um mich herum trielten total unterzuckert durch den Tag, leicht gereizt, - und da kommt dieser Ungl├Ąubige und kaut ihnen etwas vor. Peinlich ber├╝hrt lie├č ich den angebissenen Muffin in meiner Umh├Ąngetasche verschwinden bedankte mich noch w├Ąhrend mir die Kr├╝mel aus dem Mund fielen und eilte von dannen. Nun suchte ich mir als erstes eine Ecke in der ich mein Fr├╝hst├╝ck beenden kann und auf den Schock eine rauchen kann, da dies im Ramadan auch verboten ist und die Jordanier heftiger Raucher sind. Pl├Âtzlich verstand ich auch die ver├Ąnderte Wahrnehmung der Bev├Âlkerung und deren gesteigerte Ungeduld, im Umgang mit mir.

Ich werde wohl meine ├ämterg├Ąnge, die mir hier anstehen erledigen und dann in eine Ecke verschwinden wo ich weniger st├Âre. Das tote Meer ist so 40 km von hier entfernt und dort ist ein Camping den ich nutzen werde. Dennoch mach ich jetzt Schluss, weil ich erst einen Muffin gegessen habe und mir h├Ąngt der Magen in den Kniekehlen.

10.11.03 Aqaba

Ein sehr kurzes Hallo aus Aqaba. Mir geht es sehr gut (trotz dem ich 3 Tage krank war). Ich sehe jeden Abend aus meinem Bus die Sonne ├╝ber dem Sinai untergehen. Ich habe hier 4 L├Ąnder auf einen Blick. Der Camping, (Micha war dort damals schnorcheln) ist voll mit Pflanzen und uhrig gem├╝tlich. Die Leute dort haben mich gleich "adoptiert". Im Augenblick warte ich auf Ralf und Susan um mit ihnen die F├Ąhre nach Egypt zu nehmen. Ich muss allerdings jetzt Schluss machen weil die Leute hier gleich zu Essen alle Gesch├Ąfte schlie├čen (Ramadan). Ich melde mich bald wieder.

12.11.03 Aqaba (Teil 2)

Wie schon erw├Ąhnt sitze ich hier in Aqaba. Es ist inzwischen etwas k├╝hler geworden. Nur noch 30┬░C. Dazu weht ein kr├Ąftiger Wind aus Nord und vertreibt ab und zu meine ganz speziellen Freunde, diese kleinen gefl├╝gelten Kerbtiere, kurz die gemeine Stubenfliege (selbst hier im Internet-Kaffee plagen sie mich). Aber mir wurde versichert, da├č sie nur im Herbst so penetrant sind. Unterst├╝tz werden sie von einer Spezies die mir g├Ąnzlich neu ist. Sie sieht fast genauso aus, nur das sie sich von Blut ern├Ąhrt. ├äu├čerst schmerzhaft. Aber ich habe mich inzwischen daran gew├Âhnt. 20 fliegen auf den F├╝ssen bringen mich nur noch selten zu einem Wutanfall. Nur im Gesicht treiben sie mich noch in den Wahnsinn. Ansonsten ist das Leben hier sehr angenehm. Die Leute in Aqaba sind offen, hilfsbereit, und sehr freundlich. Die gesamte Bev├Âlkerung meint man, arbeitet an einem Tourismus genehmen Klima. Das ist zwar sehr angenehm, macht den Aufenthalt aber etwas teuer. Mir wird im Regelfall das Doppelte bis 4fache abgekn├Âpft. Nur in Begleitung meiner "Adaptivgeschwister" komme ich zum einheimischen Preis davon. Das Beste ist ich gebe ihnen mein Geld bevor wir in die Stadt fahren und ich sage ihnen was ich brauch. Allerdings ist es etwas anstrengend und vor allem nicht so berauschend f├╝r das Selbstbewusstsein st├Ąndig ein Kinderm├Ądchen bei sich zu haben. Der Ramadan plagt mich nur noch wenig. Aber dadurch, da├č ich der einzige Gast auf dem Camping bin, esse ich letztendlich doch erst nach Sonnenuntergang.

Dennoch kann ich nur jedem empfehlen diesen Ort zu besuchen. Ich arbeite hier zum Teil mit, lerne etwas ├╝ber die arabische K├╝che und habe eines der sch├Ânsten tauch- und schnorchel Reviere 10 Meter vor meinem Bus. In nur 15 Minuten habe ich an die 30 verschiedene Fisch und 20 verschiedene Korallenarten identifizieren k├Ânnen. Das Meer ist hier bunt und lebendig und bietet 2 Meter vom Ufer einen beeindruckenden Unterwassergarten.  Abends kann ich die Sonne ├╝ber dem Sinai untergehen sehen. Dabei werden die Berge je nach Wetter in einem farbspiel gezeigt, das beeindruckt. Von schwarz ├╝ber rot bis hin zu einem beigebraun dessen  Intensit├Ąt von der Bew├Âlkung abh├Ąngt und weder beschreibbar noch fotografierbar ist (leider).

Auch die Mentalit├Ąt der Menschen erschlie├čt sich mir langsam. Zum Beispiel der Begriff "inschallah" (Betonnung auf dem ersten a) gibt vielen Aussagen den angebrachten Konjunktiv und ist eher mit dem spanischen "manjan" zu vergleichen (komm i heut net komm i morgen oder garnet). Dennoch spielt die Religion im leben jedes Einzelnen eine gr├Â├čere Rolle als sie es in unserer Welt tut (wenn auch die Jugend dies ein wenig liberaler sieht). Ein Moslem kann durchaus f├╝r den Genuss einer Zigarette oder von Alkohol f├╝r den Rest des Fastenmonats gesiebte Luft atmen. Und auch mir wird immer wieder angeraten die Toleranz meiner Gastgeber nicht allzu sehr zu strapazieren. Der Anteil der Christen in Jordanien ist niedriger als in Syrien oder dem Libanon. Aber 2,5 millionen Pal├Ąstinenser leben hier. Zum teil f├╝hrt dies zu Spannungen zwischen der beduinischen Uhrbev├Âlkerung und den "Fl├╝chtlingen" die zum Teil schon in der 3ten Generation hier leben. Doch es wird sehr darauf geachtet das Touristen von jeglichen Problemen nichts mitbekommen.

So genug geschrieben. Entschuldigt meine Fehler aber ich bin froh wenn ich einen Gedanken auf Deutsch fassen kann. Tr├Ąumen tue ich noch deutsch aber denken schon l├Ągest englisch, oder sogar (fragt mich nicht warum) franz├Âsisch oder spanisch.

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